„Das Recht braucht dem Unrecht nicht zu weichen“: Rücksichtslose Rollerfahrer im Rieselfeld
Viele Fragen und konkrete Handlungsanweisungen bei der Veranstaltung zum Thema „Rücksichtslose Rollerfahrer“ im Rieselfeld
Drei Jahre nach der ersten Veranstaltung zum Thema „Rücksichtslose Rollerfahrer“ hatte der BürgerInnenVerein Rieselfeld BIV e.V. gemeinsam mit der Polizei und der Quartiersarbeit sowie Kinder- und Jugendarbeit von KIOSK im Rieselfeld e.V. am Montag, 13. Juli 2026 erneut zu einem Abend mit diesem Thema eingeladen. Über 50 Personen waren gekommen, um sich ein Bild von der Lage zu machen und engagiert zu diskutieren.
Das Thema ist ein Dauerbrenner – nicht nur im Rieselfeld: So gut wie alle westlichen Freiburger Stadtteile leiden unter jungen Menschen, die sich vor allem am Abend und in der Nacht auf ihren – oft auf höhere Geschwindigkeiten und Lautstärken getunten – Motorrollern auf langen, gerade Straßen tummeln, sich Rennen liefern und dabei sich selbst und andere Menschen im Quartier gefährden. Anders als vor drei Jahren kam auch die Belästigung der Anwohnenden durch E-Rollerfahrer:innen, die rücksichtslos auf Gehwegen zwischen Fußgänger:innen hindurchbrettern, zur Sprache. Ebenso die „Autoposer-Szene“ junger Erwachsener.
Ein bundesweites Großstadt-Phänomen
Polizeihauptkommissar Lars Yavrucuk und die beiden Jugendsachbearbeiter Michael Kaltenbach und Marco Steiert erläuterten nach einer kurzen Einführung durch den BIV-Vorsitzenden Andreas Roessler und Vorstellung der weiteren Beteiligten – Ann Lorenz, Leiterin der Jugendarbeit bei KIOSK, Quartiersarbeiter Norman Pankratz und Tilman Rieder, Sprecher des AK Verkehr im BIV – die aktuelle Lage: Das Phänomen der Rollerraser trete in allen Großstädten auf und sei „ein Stückweit jugendliches Fehlverhalten“. In Freiburg gebe es eine „Achse Zentrum Oberwiehre (ZO) – Haslach – Weingarten – Rieselfeld“. Bislang seien Personenkontrollen wenig erfolgreich gewesen. Ebenso sei die Polizei bei Verfolgungsfahrten bislang relativ machtlos gewesen. Jedoch wurden bei gemeinsamen Aktionen mit dem Gemeindevollzugsdienst am 11. Juni sowie am 10. Juli 2026 in den Stadtteilen Haslach, Rieselfeld und Weingarten Fahndungskontrollen sowie Überwachungsmaßnahmen mit Schwerpunkt Zweiradkriminalität durchgeführt. Hierbei war auch eine Polizeidrohne zum Einsatz gekommen. Die festgestellten Verstöße würden zeitnah geahndet und die Kontrollen weiterhin regelmäßig durchgeführt.
Lars Yavrucuk: „Wir sind auf Ihre Mithilfe angewiesen!“
Die mehrfachen Äußerungen aus dem Publikum, man fühle sich provoziert und machtlos, Straßen und Parks der Stadt dürften nicht als „rechtsfreier Raum“ gelten, unterstützten die Polizeivertreter mit Nachdruck: Zum wiederholten Male wiesen sie darauf hin, dass es immens wichtig sei, jedes Vorkommnis zu melden: „Wir können nur tätig werden, wenn wir Kenntnis haben.“ Diese Aussage wurde von einigen Anwesenden mit dem Hinweis auf die gefühlte Nutzlosigkeit gekontert. Es wurde vermutet, dass man dann wohl eher als „die Alte, die sich immer beschwert“ gelte und nicht ernstgenommen würde. Das wiesen die Beamten vehement zurück: Jeder Anruf, jede E-Mail werde notiert – und je öfter derartige Meldungen aus einem Quartier eingingen, desto schneller würde die Brisanz deutlich. (Siehe relevante Adressen unter diesem Artikel!)
Dringend rieten die Polizisten davon ab, sich den motorisierten Rollerfahrern in den Weg zu stellen, jedoch könne man durchaus versuchen, Fotos von gefährdenden Situationen zu machen und diese – gerne auch als Sammelmail – an die Dienststelle weitergeben. Damit wüchse die Chance, die Raser zu identifizieren. Das sei mit Blitzern nicht zu leisten und Videoaufnahmen von Seiten der Polizei, beispielsweise am Maria-von-Rudloff-Platz, oder eine dauerhafte Videoüberwachung seien nicht legitim. Eine Anregung von zwei anwesenden Mitgliedern des Bürgervereins Landwasser, bei konkret bekannten Familien vorstellig zu werden, wird nachgegangen.
Die Frage nach geschwindigkeitsreduzierenden Schwellen auf den Straßen wurde in der Vergangenheit von der Stadt Freiburg immer negativ beschieden, jedoch könne man unter den aktuellen Vorzeichen nochmals versuchen, ggf. mobile Schwellen bei der Stadt zu beantragen. Der BürgerInnenVerein Rieselfeld wird sich darum kümmern, die Polizei sagte zu, diesen Antrag zu unterstützen.
Beim Thema E-Scooter wiesen die Polizisten darauf hin, dass es sehr leicht sei, diese Roller per App auf eine höhere Geschwindigkeit als die werkseitig eingestellten 20 km/h zu bringen. Ebenso leicht sei es, diese Funktion bei Sichtung einer Uniform wieder zu deaktivieren. Diese Tatsache war den meisten Anwesenden nicht bekannt. Zur Eindämmung der Gefährdung von Fußgänger:innen auf den Gehwegen appellierten die Beamten an Zivilcourage und Zusammenhalt im Quartier: Je öfter die Fahrer:innen von Passanten darauf aufmerksam gemacht würden, dass sie die Straße oder den Radweg benutzen müssen (!), desto eher könne sich ein Erfolg einstellen.
Norman Pankratz: „Ressourcen gemeinsam nutzen!“
Ann Lorenz, Leiterin der Jugendarbeit bei KjK im KIOSK e.V. plädierte gemeinsam mit Quartiersarbeiter Norman Pankratz für einen offenen und verständnisvollen Dialog mit den Jugendlichen. Sie sagten zu, die im Umkreis des Jugendtreffs anzutreffenden Jugendlichen in Zukunft noch intensiver als bisher für das Thema Rücksichtnahme im öffentlichen Raum sensibilisieren zu wollen und hierzu ein Konzept zu erarbeiten. Außerdem werde man sich mit anderen Jugendtreffs vernetzen und auch auf die Schulen zugehen, die sich des Themas im Umgang mit den Schüler:innen und ihren Eltern annehmen sollten.
Eventuell könnte das Thema auch am Infostand der Quartiersarbeit beim Stadtteilfest aufgegriffen werden. Ein Artikel zu E-Scootern (mit deutlichem Appell an die Eltern der meist sehr jungen Fahrer:innen) sowie dem verbotenen Fahrradfahren auf Gehwegen sollte in der Oktober-Ausgabe des Magazins „Rieselfeld aktuell“ erscheinen.
Sigrid Hofmaier
Der Polizeiposten in der Rieselfeldallee 39b ist werktags (Montag bis Freitag) von ca. 07:30 bis 16:00 Uhr unter der Durchwahl 0761 476870-0 erreichbar. Außerhalb dieser Zeiten übernimmt das Polizeirevier Freiburg-Süd unter der Nummer 0761 882-4421. Sehr sinnvoll ist es, Beobachtungen per E-Mail zu melden: freiburg-rieselfeld.pw@polizei.bwl.de.

