Fakten & Fragen: Volles Haus und faire Diskussion bei „Pro & Contra Dietenbach-Bebauung“ am 17. Januar 2019 im Glashaus Rieselfeld.
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AK Dietenbach

Mitglieder: Harald Kiefer (Sprecher), Andreas Roessler, Heiner A. Sigel, Tjark Voigts, Smiljka Vucikuja, Harald Seywald

Die Planungen für den neuen Stadtteil Dietenbach nördlich von Rieselfeld laufen auf Hochtouren. Im Dezember 2020 soll der Gemeinderat den Rahmenplan verabschieden. Der BürgerInnenVerein Rieselfeld begleitet die Entstehung des Nachbarstadtteils von Anfang an kritisch und konstruktiv. Das Ziel ist, in Dietenbach die gleiche Lebensqualität zu erreichen, für die Rieselfeld bekannt und beliebt ist, ohne dabei die Lebensqualität in Rieselfeld zu beeinträchtigen. Der Arbeitskreis Dietenbach beschäftigt sich in Recherchen, Gesprächen und Schriftwechseln mit allen entsprechenden Themen und liefert die Grundlagen für die Arbeit des BürgerInnenVereins.

Die Prämissen des BIV in Bezug auf Dietenbach waren von Anfang an klar:

– Der neue Stadtteil muss von Rieselfeld klar abgegrenzt sein. Es dürfen keine Autostraßen von Rieselfeld nach Dietenbach führen.
– Der Wald an der Mundenhofer Straße muss erhalten bleiben.
– Die Mundenhofer Straße muss dem Fußgänger- und Fahrradverkehr vorbehalten bleiben.

Daraus ergibt sich eines der Hauptthemen, die den AK Dietenbach mit aktuell vier festen Mitgliedern und damit den ganzen Verein zurzeit beschäftigen: Nach den derzeitigen Plänen der Stadt soll die Hälfte des Langmattenwäldchens im Südwesten des Baugebiets Dietenbach abgeholzt werden, und der Wald an der Mundenhofer Straße soll durchgehend auf eine Breite von nur dreißig Metern reduziert werden. Das werden wir keinesfalls akzeptieren.

Begründet werden diese Pläne mit der zweifellos notwendigen Erweiterung des Sportgeländes des SvO Rieselfeld, der künftig auch Sportinteressierte aus Dietenbach aufnehmen will. Die Notwendigkeit dieser Erweiterung wird vom BürgerInnenVerein nicht in Abrede gestellt. Wohl aber, dass dafür Wald gerodet werden soll. Gemeinsam mit dem SvO vertreten wir die Ansicht, dass mit intelligenter Planung beide Ziele erreicht werden können: mehr Sportflächen und der Erhalt des Waldes.

Schon jetzt ist deutlich sichtbar, dass ein 30-Meter-Streifen Wald dem Klimawandel nicht standhalten kann. An den Stellen, wo der Wald schon jetzt so schmal ist, sind die Bäume verdorrt und viele schon umgestürzt, weil es zu wenige sind, um im Verbund den Boden zu beschatten und vor Austrocknung zu bewahren sowie Stürmen Stand zu halten. Die Folge wäre, dass der Wald hier ganz verschwindet und damit die landschaftliche Abgrenzung zu Dietenbach verlorengeht. Außerdem verlören hier wie im Langmattenwäldchen zahlreiche seltene Tierarten wie etwa Fledermäuse, Spechte, Hirschkäfer und Haselmäuse ihren Lebensraum.

Um das zu verhindern, führt der AK Dietenbach intensive Gespräche mit der Stadtverwaltung und verschiedenen Fraktionen des Gemeinderats. In einem ausführlichen Positionspapier haben wir alle Argumente aufgelistet, die dringend für den Erhalt des Waldes sprechen. Das Papier haben wir an die Fraktionen sowie an Oberbürgermeister Martin Horn verschickt. Es beschreibt die Bedeutung des Waldes für den Artenschutz, seine wichtige Funktion für das Kleinklima in Rieselfeld und Dietenbach sowie als CO2-Spreicher für das Klima weltweit. Hinzu kommt die enorme Bedeutung des Waldes für die Naherholung der Bewohnerinnen und Bewohner von Rieselfeld und Dietenbach.

Aktuell ruft der AK Dietenbach die Bürgerinnen und Bürger dazu auf, sich in schriftlichen Appellen an den Gemeinderat zu wenden. Der Appell (LINK) erinnert die Kommunalpolitiker an verschiedene bereits gefasste Beschlüsse des Gemeinderats zum Klima- und Artenschutz und zur Bedeutung des Waldes, mit denen die geplante großflächige Vernichtung des Waldes für den Bau eines neuen Stadtteils nicht vereinbar ist. Der Großteil der Appelle wird zurzeit gesammelt – fast 900 sind schon zusammengekommen. Sie sollen dem Vorsitzenden des Gemeinderats, Oberbürgermeister Martin Horn, demnächst öffentlich übergeben werden.

Ein weiteres wichtiges Thema des AK Dietenbach ist die Erschließung des neuen Stadtteils mit dem öffentlichen Nahverkehr. Von Anfang an hat der BürgerInnenVerein dafür plädiert, die Straßenbahn nicht von Süden, von Rieselfeld, in den neuen Stadtteil zu führen, sondern von Norden, von der Paduaallee, über Zubringer Mitte und Dreisam. Das wurde von der Stadt und den Verkehrsbetrieben VAG aus Kostengründen stets kategorisch abgelehnt, obwohl eindeutig zu befürchten ist, dass die Stadtbahnen zu den Stoßzeiten bereits voll besetzt sein werden, wenn sie aus Dietenbach an der Haltestelle Bollerstaudenstraße in Rieselfeld ankommen. Zudem werden die Fahrzeiten von Dietenbach in die Innenstadt so lang werden, dass von einem attraktiven und gegenüber dem Auto konkurrenzfähigen Nahverkehrsangebot nicht die Rede sein kann.

Mittlerweile ist klar, dass die Kostengründe nicht mehr stichhaltig sind. Denn neue gesetzliche Rahmenbedingungen würden der Stadt und der VAG für den Bau der neuen Bahnlinie enorme Zuschüsse des Bundes bringen. Damit könnte größtenteils sogar der sogenannte Ringschluss finanziert werden, den der BürgerInnenVerein inzwischen favorisiert: eine Stadtbahnverbindung zwischen den Haltestellen Bollerstaudenstraße und Paduaallee, also zwischen den Linien 5 und 1.

Der Ringschluss entspräche einer zeitgemäßen Gestaltung des öffentlichen Nahverkehrs in Freiburg, dessen veraltetes Konzept bisher ausschließlich auf eine Zentralisierung in der Innenstadt ausgerichtet ist. Das wird den Anforderungen einer modernen Großstadt nicht mehr gerecht. Weil das die Lösung der Stunde ist, konnte der BIV auch die Arbeitsgemeinschaft der Freiburger Bürgervereine AFB, in der alle Bürgervereine der Stadt zusammengeschlossen sind, dafür gewinnen. Zurzeit finden intensive Verhandlungen mit den Fraktionen des Gemeinderats, der Stadtverwaltung und der VAG statt, um den Ringschluss doch noch zu erreichen.

Abgesehen von diesen beiden ausgeprägten Kritikpunkten befürwortet der BIV die vorliegenden Pläne für Dietenbach. So sieht das Mobilitätskonzept eine deutliche Reduzierung der Autostellplätze vor. Die Kraftfahrzeuge sollen in Quartiersgaragen abgestellt werden, damit die Wohnstraßen verkehrsberuhigt und stellplatzfrei bleiben. Der motorisierte Verkehr soll weitegehend über einen Ringboulevard um das Stadtteilzentrum herumgeführt werden. Ein Teil des Zentrums soll Fußgängerzone sein.

Auch das Grünkonzept hat viele positive Aspekte: Entlang des Dietenbachs und des Käserbachs sollen Grünflächen erhalten bleiben, auch der Wald entlang der Mundenhofer Straße steht als „grünes Band“ in den Plänen. Voraussetzung dafür ist allerdings, dass dieser Wald sich, wie erwähnt, nicht in einem nur dreißig Meter breiten und hoch gefährdeten Streifen erschöpft.

Positiv bewertet der BIV auch das Ziel, zu 50 Prozent geförderten Wohnraum zu schaffen, um der Mietpreisexplosion in Freiburg etwas entgegenzusetzen. Und auch das Vorhaben, Bebauung und Energieversorgung klimaneutral zu gestalten, findet unsere Zustimmung. Zur Klimaneutralität gehört aber eben auch, dass die vorhanden Bäume als CO2-Speicher, Schattenspender und Bodenschützer an ihren Standorten erhalten bleiben.

Der AK Dietenbach wird sich gemeinsam mit dem Vorstand des BIV weiterhin mit allen Mitteln dafür einsetzen, dass die derzeit vorliegenden Pläne in den von uns kritisierten Punkten geändert werden. Immerhin ist es schon gelungen, einen festen Sitz in der gemeinderätlichen Arbeitsgruppe (GRAG) zur Gestaltung von Dietenbach zu erstreiten. Andreas Roessler, Vorsitzender des BürgerInnenVereins wird Rieselfeld dort engagiert vertreten.

Harald Kiefer
Sprecher des AK Dietenbach



Kontakt

Harald Kiefer

T 0179-105 7274
harald.kiefer@gmx.de