AK Dietenbach

Mitglieder: Harald Kiefer (Sprecher), Uta Meier-Gräwe, Andreas Roessler, Heiner A. Sigel, Smiljka Vucikuja, Harald Seywald

Beim Bürgerentscheid 2019 hat sich eine deutliche Mehrheit der Wahlberechtigten in Freiburg für die Bebauung der Dietenbachniederung ausgesprochen. Jetzt geht es darum, diese Entscheidung in einen neuen Teil von Freiburg umzusetzen. An diesem Prozess beteiligt sich der Arbeitskreis Dietenbach kritisch-konstruktiv. Der bedeutendste und derzeit drängendste Aspekt ist die geplante Vernichtung von mehr als vier Hektar DietenbachWALD.

Das gesamte Plangebiet umfasst 152 Hektar. In diesem Bereich sollen (Stand Dezember 2021) 6.900 Wohnungen für 16.000 Menschen plus die erforderlich Infrastruktur wie Stadtbahn, Fuß- und Radwege, Autostraßen, Schulgebäude, Sportflächen und ähnliches gebaut werden. Dafür sollen mehr als vier Hektar DietenbachWALD gerodet werden. Es geht also um drei Prozent dieser riesigen Fläche im Freiburger Westen, auf die bei der Realisierung des neuen Stadtteils auf keinen Fall verzichtet werden soll. Jedenfalls sehen das die bisherigen Pläne von K9 Architekten, Sieger des Städtebaulichen Wettbewerbs, und der Städtische Projektgruppe Dietenbach vor.

Die allerersten Pläne für Dietenbach im Jahr 2014 hatten den Wald noch vollständig ausgeschlossen. Der BürgerInnenVerein Rieselfeld hat das damals mit Freude zur Kenntnis genommen. Gegen die spätere schrittweise Einbeziehung des Waldes in die Baufläche hat der BIV jeweils Widerspruch erhoben. Denn der Wald zwischen Rieselfeld und Dietenbach mit seinen großen alten schattenspendenden Bäumen ist für viele Menschen ein wichtiger Naherholungsraum, insbesondere in den immer heißer werdenden Sommern. Außerdem ist er wertvoller Lebensraum für viele Specht- und Fledermausarten, Haselmäuse, Hirschkäfer und viele andere Tierarten.

Die Zahl der geplanten Wohnungen hat sich nach dem Bürgerentscheid erhöht: Von 6.500 Wohnheinheiten für 15.000 Menschen auf 6.900 für 16.000 Menschen. Wenn das möglich war, muss nach Überzeugung des BürgerInnenVereins auch eine Umplanung zugunsten des Waldes möglich sein. Die derzeitige Planung ist nicht mehr zeitgemäß, denn sie ignoriert den rasant fortschreitenden Klimawandel und Artenschwund. Mit dem Verzicht auf die drei Prozent Waldfläche verdiente der neue Stadtteil Dietenbach dann vielleicht tatsächlich das angestrebte Prädikat „klimaneutral“. Denn Klimaneutralität und Waldrodung passen nicht zusammen.

An der Seite des BürgerInnenVereins kämpfen inzwischen zahlreiche Organisationen für den wertvollen DietenbachWALD: BUND, NABU, Parents for Future, Waldkindergarten e.V. und die Klimagerechtigkeitsaktivist*innen, die einen Teil des Waldes seit Juni 2021 in Baumhäusern besetzt halten. Zwei große Kundgebungen und Demonstrationszüge haben wir gemeinsam veranstaltet, jeden Sonntag um 14 Uhr starten informative Waldspaziergänge in den DietenbachWALD.

Es scheint, als ob bei der Projektgruppe und einzelnen Fraktionen des Gemeinderats inzwischen ein Nachdenken über die Rodungspläne eingesetzt hat. So wird zunächst der Verzicht auf die Leichtathletik(Wett)-Kampfbahn in Aussicht gestellt, die der SvO Rieselfeld als Breitensportverein ohnehin nicht braucht. Außerdem sollen Teile des Waldes in das Sportgelände integriert werden, anstatt ihn dafür zu roden.

Der AK Dietenbach sieht noch viele Möglichkeiten, den DietenbachWALD zu erhalten, ohne dass dafür auf Wohnungen oder Infrastruktur verzichtet werden muss. In der bisherigen Planung war der Wald den städtebaulichen Ideen untergeordnet. In einer echten „Green City“ muss es umgekehrt sein: Der Städtebau räumt dem Klima- und Artenschutz oberste Priorität ein. Ansonsten wäre der Bau des ersten klimaneutralen Stadtteils von Freiburg auf immer verbunden mit der Rodung von mehr als vier Hektar Mooswald.

Es ist noch nicht zu spät. Noch gibt es keinen Bebauungsplan. Die Verhandlungen mit der Stadtverwaltung und Gemeinderat über die Anpassungen der Pläne an das Gebot der Stunde – Klima- und Artenschutz  werden weitergehen. Ebenso die begleitenden Proteste und die Waldbesetzung.

Harald Kiefer

Sprecher des AK Dietenbach



Kontakt

Harald Kiefer

T 0179-105 7274
harald.kiefer@gmx.de

Fakten & Fragen: Volles Haus und faire Diskussion bei „Pro & Contra Dietenbach-Bebauung“ am 17. Januar 2019 im Glashaus Rieselfeld.
http://www.badische-zeitung.de/erster-schlagabtausch-zwisch…
http://www.badische-zeitung.de/…/natur-und-beton–164641260…