Die Asiatische Tigermücke (Aedes albopictus) in Freiburg: Tropische Mücken im Rieselfeld, und wie wir alle ihre Ausbreitung verhindern können …

Trotz des sehr heißen Abends war das Glashaus-Café mit 30 Personen sehr gut gefüllt. Auf Einladung des BürgerInnenVerein Rieselfeld BIV e.V. legte Artur Jöst von der KABS (Kommunale Aktionsgemeinschaft zur Bekämpfung der Schnakenplage) zunächst die wichtige und leider oft unbeachtete Arbeit seines Vereins dar. Jöst und seine Kollegin Frau Thomas lieferten nicht nur einen professionellen und informativen Vortrag mit anschaulichen Bildern der Insekten sowie Brutstätten-Beispielen, sondern hatten sogar lebende und tote Exemplare sowie zwei Mikroskope mitgebracht! Damit konnten alle Anwesenden im Anschluss an die Präsentation die Mücken sowie ihre Larven im Vergleich mit anderen Arten betrachten.

Herr Jöst selber arbeitet als Biologe bereits seit 25 Jahren für die KABS und etwa 100 angeschlossene Kommunen im Bereich Monitoring und Bekämpfung von einheimischen Mücken am Oberrhein (D und F), sowie auch überregional an der Erfassung und Erforschung exotischer Mücken.

Hier nun die wichtigsten Infos für alle, die leider nicht anwesend sein konnten:

Ich habe eine gestreifte Mücke gefangen, könnte das eine Tigermücke sein?

Die Asiatische Tigermücke hat in der Tat schwarz-weiß gestreifte Beine, genau wie die Japanische Buschmücke, eine ebenfalls invasive Art. An folgenden Merkmalen kann man die relativ kleinen Asiatischen Tigermücken jedoch sehr gut erkennen, sogar mit dem bloßen Auge:

  1. Die Insekten sind klein und schwarz (anders als die bräunlichen heimischen Schnaken).
  2. Das hintere Beinpaar endet mit einem weißen Streifen, sozusagen mit „weißen Socken“ (anders als bei der J. Buschmücke).
  3. Auf Kopf und Rücken verläuft ein breiter silbrigweißer Streifen.
  4. Die Mundtaster enden in silberweißen Spitzen.
  5. Die Flügel sind klar, durchsichtig und ohne Flecken (anders als die der Ringelschnake).

Die Larven haben ein kurzes, dickes und fast schwarzes Atemrohr und nur kleine Antennen am Kopf.

Warum könnte diese invasive Art lästig bzw. gefährlich werden?

Asiatische Tigermücken sind wesentlich aggressiver als unsere heimischen Schnaken und außerdem leider tagaktiv, weswegen sie in den USA auch als „BBQ-Stopper“, also Grill-Bremsen, verschrien sind. Wenn sie in Massen auftreten, können sie die Lebensqualität im Freien erheblich schmälern. Sie können aber auch tropische Viren-Erkrankungen übertragen, deren Symptome meist grippeähnlich verlaufen und daher oft unentdeckt bleiben. Nur sehr selten (in Deutschland zum Glück bisher noch nie) enden die Erkrankungen in hohem Fieber mit inneren Blutungen.

Woher kommen die Mücken denn so plötzlich?

Die Tigermücken sind ursprünglich in Ost- und Südostasien heimisch. Sie gelangten 1990 als Eier mit dem Warenverkehr nach Europa (in Altreifen über Genua, auch in Zierpflanzen) und wurden anschließend von Personen und mit Gütern weiter verbreitet. Die Tigermücke als adultes (erwachsenes) Tier ist eigentlich eher standorttreu und ihr Aktionsradius ist auf 200 Meter vom Schlupfplatz begrenzt, sodass sie auf diese passive Verbreitung angewiesen ist, um neue Lebensräume zu besiedeln. Als Kulturfolger sind die Insekten dabei beim Brüten auf Wasserbehältnisse spezialisiert, die vom Menschen (unfreiwillig) zur Verfügung gestellt werden.

Von den 3.000 Mückenarten weltweit gelten nur 6 als invasiv. Und für unsere Gegend sind das die Japanische Buschmücke sowie eben die Asiatische Tigermücke.

Wie können die Mücken bei uns überhaupt überleben?

Tigermücken sind wahre Anpassungskünstler. Ihre trockenresistenten Eier können 6 bis 8 Monate überdauern, die Art ist außerdem kältetolerant und überwinterungsfähig. Zum Brüten bevorzugt sie als Höhlenbrüter enge, schwer zugängliche Behälter mit wenig Wasser. Mit der zunehmenden Zerstörung der Regenwälder hat sie sich zu einem Kulturfolger entwickelt. Tigermücken sind also sehr flexibel, was ihre Brutstätten angeht, außerdem anspruchslos bezüglich ihres Blutwirtes (Säuger, bevorzugt Menschen, aber auch Amphibien etc.); sie haben ein starkes Immunsystem und aufgrund ihres sporadischen Auftretens keine natürlichen Feinde. Mit anderen Worten: Die Tigermücke ist ein echtes „Erfolgsmodell“ und kann rasch große Populationen aufbauen – wenn man sie lässt…

Wie werden die Tigermücken bekämpft?

  1.  Entfernung von künstlichen Brutstätten
  2. Biologische Bekämpfung mit B.t.i. (Bacillus thuringiensis israelensis, 1976 in der Wüste Negev entdeckt): Ein Bazillus, dessen Sporen selektiv nur im Darm der Mückenlarven Zellen zum Platzen bringen und diese damit töten. Der natürliche Krankheitserreger wirkt nur auf 6 Mückenarten und ist damit für andere Tiere (auch Haustiere) und Pflanzen völlig unschädlich!
  3. SIT (Sterile Insekten Technik): Mit EU-Geldern werden in Italien männliche Mücken durch Bestrahlung steril gemacht und dann im Mai ausgesetzt. Da die Weibchen sich nur ein Mal paaren, kommt es zu einer Fehlbefruchtung, Nachkommen werden verhindert, worauf die Populationen zusammenbrechen. So kann man 60% der B.t.i.-Überlebenden zusätzlich schädigen.

Kommen diese Mücken denn im Rieselfeld vor?

Ja, es gibt ein Verbreitungsgebiet rund um die beiden Teiche in den Bauabschnitten 3 und 4, also in einem Block zwischen Ingeborg-Drewitz- und Cornelia-Schlosser-Allee. Hier sind die Mückenpopulationen bereits seit 2015 bekannt und werden auch aktiv bekämpft. Dazu sind die beiden zuständigen Gebietsbetreuer, Frau Stettner und Herr Hennig, vor Ort unterwegs, um aufzuklären, zu beraten und Maßnahmen zu ergreifen. Bitte unterstützen Sie die wertvolle Arbeit dieser Helfer und ermöglichen Sie ihnen Zugang zu Ihren Grundstücken.

Und was kann ich selbst konkret tun, damit keine Plage entsteht?

Die KABS setzt in den bekannten Verbreitungsgebieten (also dort, wo man Populationen nachgewiesen hat!) auf mehrere Bekämpfungsmethoden: Entfernen von Brutplätzen (also alle wassergefüllten Behälter, auch Müll), ökologische Bekämpfung mit B.t.i., Aussetzen von sterilen Mücken-Männchen.

Die BewohnerInnen im bekannten betroffenen Gebiet im Rieselfeld sollten:  

  • den Gebietsbetreuern Zugang zu ihren Grundstücken ermöglichen
  • auf deren Rat alle Wasserbehältnisse im Außenbereich leeren, auskochen oder gründlich ausschrubben und danach trocken lagern (also umgedreht!). Solche Behälter sind z. B. Gießkannen, Schubkarren, Regentonnen, Gartenschuhe/-stiefel, aber auch Plastikmüll, Tüten, Säcke und Planen mit Vertiefungen, Topfuntersetzer, Vogeltränken etc.
  • Wasserstellen permanent abdichten (z. B. Löcher in Zaunpfählen verstopfen, Regenfass-Zulauf mit Klebeband/Netz absichern).

Alle Abdichtungen müssen immer sehr gründlich vorgenommen werden, da für die Mücken als Höhlenbrüter enge Zugänge besonders attraktiv sind! Fließgewässer und Teiche sind KEINE Brutstätten. Spülmittel in das Wasser zu geben, reicht bei diesen robusten Mücken leider nicht aus.

Alle anderen RieselfelderInnen außerhalb der befallenen Zone können diese Maßnahmen ebenfalls anwenden, denn sie verhindern natürlich auch, dass heimische Plagegeister Brutplätze finden. Bitte kontrollieren Sie auch die Abflüsse und Gullys Ihrer Tiefgaragen (erfolgt im Verbreitungsgebiet auch durch die Betreuer) sowie die Wasserreservoire in Ihren Blumenkästen!

Für Balkonbesitzer gilt aufmerksam sein – und aufatmen: Tigermücken bleiben meist in Bodennähe und halten sich selten höher als das erste Stockwerk auf.

 

Jeder kann sich Rat und Hilfe auf den untenstehenden Webseiten holen. Die Forscher haben sogar extra eine Stelle eingerichtet, wo man gefangene Exemplare bestimmen lassen kann (Foto oder totes Insekt einschicken, bitte unbedingt mit genauem Fundort). So können wir uns also aktiv an der Forschung beteiligen und gleichzeitig eine weitere Ausbreitung der Asiatischen Tigermücke verhindern helfen!

Im Glashaus liegen Flyer mit den relevanten Infos aus!

Web-Tipps für mehr Infos: https://kabsev.de

Fundmeldungen per Telefon/Mail/Post unter: http://www.freiburg.tigermuecke.info/Melden.html

 

Corinna Spellerberg

 

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